Indonesien 2011

Vulkan: Batu Tara

  August 2011

 M.Rietze, M.Szeglat, C.Weber, Th. Boeckel

in english

  Cinema 

Vulkan Batu Tara und Anak Krakatau im August 2011, Boeckel Vulkan Batu Tara und Anak Krakatau im August 2011, Boeckel


BATU TARA VULKAN, (STROMBOLI II)

BATU TARA, MAPS BY GOOGLE EARTH    BATU TARA, MAPS BY GOOGLE EARTH    BATU TARA, MAPS BY GOOGLE EARTH

Lesser Sunda Islands, 7.792°S, 123.579°E, Maps by Google earth

Start ins Ungewisse

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel     Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel     Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel

Wie Sie sicherlich aus den vorherigen Vulkan-Stationen bemerkt haben, wurden wir nicht gerade mit vulkanischen Aktivitäten überschüttet. Sollte es doch der Wackelkandidat Batu Tara herausreißen? Eigentlich war alles bereits zum Scheitern verurteilt. Der Kontakt nach Larantuka in Ostflores zu Chris brach ab, der Erste fuhr wegen allgemeinem Zielerreichungszweifel bereits nach Hause. Selbst am Vorabend saßen wir in Larantuka noch ohne Boot da. Schwer schmollend futterten wir unser Nudelgericht, die Stimmung war rekordverdächtig miserabel. Wäre da nicht die zündende Idee von Chris gewesen, zusammen mit Abdul im neuen Hafen einen hochseetauglichen Tunfischkutter anzumieten, hätte diese Indonesientour einen leicht faden Beigeschmack erhalten.

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Chris Webercw     Indonesia Batu Tara, Flores by Boeckel

Links: Abdul&wir

Im alljährigem Zyklus des Ramadans wurden die Speisen zubereitet, - gegessen wurde bei Dunkelheit, Fischköppe gab's auch für uns - vor Sonnenuntergang.

Ein abenteuerliches Gefühl ist es schon, einen vollkommen unbekannten Fleck welcher nicht einmal in den Karten eingezeichnet ist zu entdecken. Selbst Einheimische kennen die Insel BATU TARA meist nicht. Wenn jemand diese Insel entfernt kannte, dann waren es vereinzelt die einheimischen Fischer. Die Fischer erklärten uns aber erstmal dass die Insel verwunschen ist, und der böse Geist darauf wohnt. Ein Anlanden kommt aus rituellen Gründen erst gar nicht in Frage. Ja prima!, endlich mal eine Tabuinsel erobern die keiner kennt, und womöglich der böse Geist drauf wohnt. Hmm L. Gut, mit den kleineren Holzbooten wäre es bei stärkerem Seegang eh nicht möglich gewesen die etwa 90 Kilometer auf offener See unbeschadet zurück zu legen. Eine andere Lösung wäre gewesen, die kürzeste Entfernung von dem etwa 30 km weiter östlich gelegenen Ort Sagu aus zu wählen. Hier hätte man aber wegen der Fährverbindung zeitliche Schwierigkeiten gehabt. Somit war der Tunfischkutter die letzte Rettung.

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Chris Webercw Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel    Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel   

Skeptisch, aber Neugierig traten wir die Fahrt ins Ungewisse an. Die Überfahrt sollte etwa 7 Stunden dauern, doch nach etwa 5 Stunden konnten wir die ersten Umrisse des Stromboli Derivates Batu Tara erkennen. Bald wurde auch die Frage beantwortet, ob der Vulkan aktiv war. Durch die Vorarbeit von Martin  Satellitenkamera Modis (rechts) war  eine stärkere Wärmemenge zu erkennen. Waren diese Daten zuverlässig?  Ja, aus einer Entfernung von 15 Kilometer konnten bereits größere Aschewolken ausfindig gemacht werden.

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel    Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel    Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel

Bei der weiteren Annäherung bemerkten wir zunehmend, dass dieser Vulkan ein wahrer Steinklotz im Meer ist. Die nächste Frage stellt sich. Können wir da überhaupt anlanden.

Es wird spät, bei der Umrundung kommen wir an der „Rückseite“ an der „Sciara del Fuoco“ vorbei. Dieser Name trägt eigentlich die Feuerrutsche des italienischen Vulkans Stromboli. Und zugegeben, dieser Vulkan muss der Zwillingsvulkan vom Stromboli sein. Selbst der Gipfel ähnelt dem Pizzo. Die Feuerrutsche ist analog auch vom Festland abgewandt. Allerdings befindet sich der Krater auf etwa 2/3 Höhe, umrundet von einem mächtigen steilen Kratertrichter. Martin verglich den Krateraufbau eher mit einem kariösen Zahn. Der Vulkan wird offiziell mit einer Gesamthöhe von etwa 748 Meter üNN angegeben, und hat einen Maximaldurchmesser von geschätzten etwa 2-3 Km über See.

Die erste Nacht ankerten wir in einer südlich gelegenen Bucht, abseits des eigentlichen Vulkangeschehens. Im Halbschlaf bemerkten wir, dass die Lavauswürfe weit über die südliche Kraterkante gingen. Oftmals wurde der Wald bombardiert wobei die Baumgrenze bei etwa 500 Meter lag. Somit war die Idee zum Krateraufstieg geklärt. Das sehr steile unwegsame Gelände konnte eh ohne immensen Zeitaufwand nicht bezwungen werden. Fraglich war auch, ob die dichte und unbekannte Flora überhaupt einen passablen Weg zugelassen hätte.  

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Chris Webercw Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel   

Indonesia Batu Tara, Flores by Boeckel    Indonesia Batu Tara, Flores by Boeckel    Indonesia Batu Tara, Flores by Boeckel

Welche Aktivität wird uns erwarten. BATU TARA bedeuted in der einheimischen Sprache, 'Steinewerfer'!

Am nächsten Morgen begann die Erkundung zur Anlandung, und nach weiteren Küstenfahrten stellten wir fest, dass bei Ebbe kleinere Strandstreifen existieren. Etwa 100 Meter neben der Sciara war tatsächlich ein schmaler Anlandestreifen. Bloß wie bringen wir es fertig die Fotoausrüstung trocken herüberzuschaffen.

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Chris Webercw Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Chris Webercw Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Chris Webercw

Anlandung Mittels Einbaum. Ganz linkes Photo: Leicht adipöser Tiefgang ....... 

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Chris Webercw Indonesia Batu Tara, Flores by Boeckel    Indonesia Batu Tara, Flores by Boeckel 

Die Hitze macht 'mobil', der Sonnenschutz und die große Frage, werden wir wieder abgeholt? Abendbesuch der Fischer mit der Frage, ob alles O.K ist.

Der einheimischer Fischer konnte allerdings mit dem Einbaum so geschickt umgehen, dass die Zweifel an eine Bruchlandung im Thor Heyerdahl Stil in den Hintergrund fielen. Die See war jedoch beim Anlanden außerordentlich ruhig! Allerdings bei meiner Frage, ob es hier Haifische gibt wurden die letzten Zwanzig Meter doch zügiger geschwommen. Bei meiner Feststellung, wo es Delfine gibt sind immer Haifische anzutreffen, wurde dann noch schneller geschwommen. Mir war’s egal, da ich eh das Batu Tara Einbaumtaxi nahm. Ja, ja- zurück bin ich dann schon auch geschwommen. Es ist schon ein netter Eindruck wenn man die letzten Meter zum endgültigen Ziel nach etwa 13.000 km schwimmt, oder mit dem Einbaum zurücklegt.

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel   

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Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel    Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel

Die Nacht bricht an, und neben dem faszinierenden lavarösen Naturschauspiel war der Eruptionslärm imposant. Selbst im Abstand von etwa 700 Metern wurde ein leichter Tremor am Boden gespürt. Beeindruckend erschien nun die Feuerrutsche, wobei sich ständig größere plastische Lavabrocken unterhalb Kraters ablösten. Bei Nacht ähnelten diese Brocken nach einer gewissen Anlaufgeschwindigkeit Feuerrädern, welche mit einer deutlich hörbaren Unterwasserexplosion ihr Weg-Ende fanden.

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel    Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel    Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel

Höchst positiv war die rege Strombolianische Aktivität. Im Intervall von 15 Minuten registrierten wir kleinere Eruptionen. Größere Ausbrüche von etwa 200-300m Höhe wurden im Rhythmus von 30-45 Minuten beobachtet. 

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel    Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel    Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel    Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Boeckel

Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Chris Webercw Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Chris Webercw Batu Tara 2011, Indonesien Flores, by Chris Webercw

Leuchtende Meeresbewohner im Schwarm vor der Feuerrutsche. Gibt ordentlich was auf die Fantasie. (by Chris Weber + ASA 6400)

Ein weiteres geheimnisvolles Highlight waren die die Leuchterscheinungen, welche in einem Abstand von etwa 5-10 Metern vor der Küste erschienen. Diese bewegten sich in etwa zwei Meter breiten und mehreren Metern langen Leuchtbänder rasch hin und her, teilten sich und vereinigten sich wieder. Chris meint es wäre Krill, es könnten aber auch kleine Leuchtfische in größeren Schwärmen gewesen sein. Zumindest war diese Erscheinung sehr mysteriös und ich hatte schon ein wenig den Eindruck im Film ‚Fluch der Karibik’ zu sein. Hausen hier vielleicht doch die Vulkangeister? Nix wie weg von hier. Aber wie? Das Fischerboot war weit weg,...

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Letztendlich war es ein Abenteuer ins Ungewisse und ich bin sehr erstaunt, dass es auf unserem digital durchforsteten Globus doch noch unerforschtes Land gibt. Uns ist nicht bekannt, dass jemand vor uns  von einer festen Landposition aus, den Batu Tara Vulkan aktiv fotografiert hat.

Wir lassen uns auch gerne vom Gegenteil überzeugen.

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Indonesia Batu Tara, Flores by Boeckel    Indonesia Batu Tara, Flores by Boeckel

Straßenleben in Maumere. Nur noch eine elend lange Heimreise steht bevor!


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© 2011, Photos und Text Thorsten Boeckel(TB), C.Weber (CW), last modification 30.08.2011