Ätna 2012

Süd Ost Konus II

29.März -1. April 2012

R.Roscoe, Th.Boeckel, M.Rietze

in english

Paroxysmus am 1. April


  Cinema 

Mount Etna April 2012, by Thorsten Boeckel


Vulcano Etna 1. April 2012 by T Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by T Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by T Boeckel

Ein Schnellentschluss wieder einmal in die Paroxysmus*- Lotterie einzusteigen wurde endlich belohnt. War zeitweise im Juni 2011 der Rhythmus einer Eruption fast exakt auf sechs Tage bestimmt so verlor sich die Regelmäßigkeit bereits wieder im Herbst. Es war fast unmöglich geworden eine Paroxysmus zu erwischen. Dieses war wohl nur den Leuten vor Ort vorbehalten. Etliche Versuche von uns schlugen fehl. Der Ätna erlaubte sich sogar im Juni zwei Stunden direkt nach der Flugbuchung einen Ausbruch und ließ uns verzweifelt in München an den Monitoren schmachten. Kost ja nix :-(. Nur  Martin hatte im Sommer einmal wirklich Glück gehabt und  konnte einen Tagesparoxysmus erwischen. * (Paroxysmus, - medizinisch Anfall;  So wird die sehr einzigartige Ausbruchsform am Etna mit Intervallen von Stunden (anno 2000) bis zu mehreren Wochen (anno 2011/12) bezeichnet)

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Beginn der Aktivität am 30.3. 2012. Tagsüber wurden bereits kleine Aschewolken gesichtet. Milde 'Strombolianische Aktivität'.

Vulcano Etna 1. April 2012 by Martin Rietzemr    Vulcano Etna 1. April 2012 by Richard Roscoerr 

Der erste stärkere Ausstoß am Morgen des 31.3.2012. Danach folgte eine achtstündige Pause, und das Stimmungsbarometer erreichte den absoluten Nullpunkt.

Vulcano Etna 1. April 2012 by T Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by T Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by T Boeckel

Das teilweise von Asche bedeckte Valle del Bove deutet auf die vorherigen Eruptionen hin. Bemerkenswert das die Windrichtung meistens Richtung Südost steht. Etwas ungünstig für den Beobachtungspunkt Schiena Dell' Asino.

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Messgeräte und Webcams in der näheren Umgebung. Rechts: Kein Yeti sonder ein ziemlich gerupfter Fuchs. Diese Knabbertierchen sind nach dem Winter so dermaßen ausgehungert, dass nicht nur leichtfertig gelagerte Lebensmittel aus der Zeltapsis gezogen- und gefuttert werden, nein sogar die alles andere als wohlschmeckenden Schuhe von Richard wurden angefressen, und verschleppt. Na dann, "Buon Appetito!".

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Links: My home is my castle

Bei strengen Frosttemperaturen (-6°C) und tagsüber wenig über Null °C verweilten wir drei Nächte hier oben. Trotz des teilweise starken Windes war die Wettersituation perfekt. Nur ein wichtiges Detail fehlte,- der Ausbruch. Während unserer Wartezeit drehte auch Boris Behncke die Runde. Das freudige Wiedersehen nach langer Zeit gab genügend Stoff um über die 'Guten Alten Zeiten' zu plaudern. Soweit es die Wetterlage zuließ konnte Boris die letzten 22 Paroxysmen fast nahtlos beobachten,- das spricht für den Standort Catania. Am Nachmittag hörten wir wieder Explosionen aus dem SOK II. Allerdings ohne Aschezusatz. War es 'Strombolianische Tätigkeit', oder nur Gasexplosionen? Die Zeit wird knapp. Noch 16 Stunden zum Heimflug und der Tremor dümpelte unverändert ganz unten bei zwei **(scroll down).

Boris meinte, es wäre noch alles drin. Sein Wort in Gottes Ohr.

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Die Spannung steigt und mit ihr die sichtbare Auswurfintensität am Südostkrater II. Die Zeit wird immer knapper, das Tremordiagramm zeigt gegen 21:00 nun auch einen langsamen Anstieg auf 3,5. Ab 0:00 Uhr wurde tatsächlich die Skalierung 6, und um 1:00 die 9 durchschritten. Es schien nun wirklich zum Ausbruch zu kommen :-).

Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

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Beginnende Eruption in der Hauptspalte oder Bocca. Langsam schaukelt sich die Aktivität auf. Die Auswürfe gehen nun über den gesamten Konus. Das intensivere Aufschaukeln betrug bis zum Paroxysmus bis zu 4 Stunden. In diesen letzten vier Stunden gab es keine Unterbrechung des Lavaauswurfes.

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Der Paroxysmus ist zu unserer Freude nicht mehr aufzuhalten. Die Explosionsgeräusche verstummen, und durch den 'gefüllten' Gas- und Masseausstoß, sei er noch so intensiv gewesen, kam die Akustik fast einem knisterndem Lagerfeuer gleich. Fast lautlos präsentierten sich die Fackeln. Am Ende wird der Tremor die Intensität von 152 **(scroll down) erreichen. Es rieselt Asche und sehr verdutzt registrieren wir  die Einschläge von größeren Flugobjekten in unmittelbarer Umgebung. Naja, so groß können die Lapilli ja nicht sein.

Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

  Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

Die Eruption in der Hauptspalte des Südost II Konus ist in vollem Gange. Asche- und Lapilliwolken steigen etliche Kilometer über uns. Die Höhe der Fontänen erreichten meisten zwischen 300m-500m, manchmal sogar höher. Allerdings hatten wir aufgrund der ungünstigen Windrichtung die Aschewolke fast in unserer Richtung. Somit blieb uns mancher Blick oft verwehrt und Schätzungen über die tatsächlichen Höhen fielen schwer.

   Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

Vulcano Etna 1. April 2012 by Martin Rietzemr    Vulcano Etna 1. April 2012 by Richard Roscoerr     Vulcano Etna 1. April 2012 by Martin Rietzemr

Trotz Aschwolke, immer wieder kam es zur freien Sicht auf die Lava/Gassäulen. Links und Rechts der Standpunkt von Martin am Monte Fontane nahe Fornazzo.

Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel     Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel     Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

Sehr mächtige seitliche Auswürfe, teilweise bis auf den oberen Belvedere. Somit kann die Beobachtung in den oberen Regionen ohne Schutzeinrichtung wie das damalige Torre del Filosofo, durchaus gefährlich werden.

Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

Abfließender Lavastrom in östlicher Richtung ins Val del Bove. Hier treten die Lavamassen mit der noch bis zu 3m dicken Schneedecke zusammen und es entwickeln sich imposante Wasserdampfwolken. Dampfexplosionen und laharähnliche Abgänge konnten wir dieses mal nicht sichten. Diese waren nach Angaben von Boris Behncke während der letzten Eruptionen deutlich sichtbar. Allerdings konnte ein kleiner Pyroklastischer Strom von Etna Walk   gefilmt werden.

Vulcano Etna 1. April 2012 by Richard Roscoerr    Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

6:30) Der Beobachtungspunkt ließ nicht nur den detaillierten Blick auf die Fontänen zu, sondern demonstrierte uns den phantastischen Lavastrom in seiner gesamten Dimension von 2-3 km Länge und etwa 700m Breite.

Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel            Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

Wie bereits oben beschrieben, wurden wir überraschender Weise aus einer Entfernung von etwa 3 km  von bis zu 10 cm großen Lapilli malträtiert. Zwar bestand keine akute Verletzungsgefahr, allerdings erfüllt ein aerodynamisch günstiger geformter Rundling mit Sicherheit immer noch den Zweck einer ordentlichen Kopfnuss.

Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel      Vulcano Etna 1. April 2012 by Thorsten Boeckel

Morgenüberraschung

Und die Moral von der Geschicht', ohne Reifen geht es nicht :-(. Langfinger der übelsten Sorte schraubten uns erstmal alle 'Viere' ab. Die weitere Organisation zur Bergung  ging etwas turbulent zu, wobei die sehr hilfsbereite Bergwacht-Crew des Refugios Sapienza uns tatkräftig unterstützte. Grazie Mille!

Aber halb so schlimm, es war wieder ein faszinierendes Vulkan-Erlebnis mit Parallelen zu den Jahren 2000-2002. Etwa 10 Jahre später ereilte einen wieder das etwas besondere Etna-Feeling

 (.. das kann man leider nicht beschreiben)


  ** Und das ist der Tremor vom 1 April.

Dank geht auch hier wieder an die und Boris Behncke für die Informationen.


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Eruption vom Juni 2011

Oldies, but Goldies. Der Ätna von 1999 bis 2006


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Vom Ätna zum Stromboli      Planets & Space

© 2012, Photos und Text von Thorsten Böckel, sowie Richard Roscoe (rr) und Martin Rietze (mr), last modification 08.04.2012